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Es war in der Zeit unmittelbar vor der letzten Währungsreform kurz nach dem Krieg, in der die noch junge Spielschar kein finanzielles Polster besaß. Hätte sie eines gehabt, es wäre ohnehin fast wertlos gewesen. Tatsächlich aber sollte das Legendenspiel »Der Geiger unserer lieben Frau« aufgeführt werden und es fehlte an allem. Was tun ? Man entschloß sich, die Karten im Vorverkauf zu verkaufen, nahm aber statt des ziemlich wertlosen Geldes zwei oder drei Eier, ein Stück Speck oder ähnliches.

Diesen Naturalienerlös luden Peter Drolshagen, Josef Schleich und Heinrich Hecken kurzerhand auf und machten sich auf den Weg nach Rheydt. Dort in der Gegend hatte man jemand ausfindig gemacht, der die Naturalien gegen Stoffe für Kostüme und Dekorationen tauschte. Da wurde also »gemaggelt«, was das Zeug hält !

Nur noch die Alten wissen heute noch, was das bedeutet hat, lagen doch Schuld und Rheydt in verschiedenen Besatzungszonen. An den »Zonengrenzen« wurde rigoros »gefilzt«, manchmal regelrecht mit den Kontrollen schikaniert. Das Risiko für die drei war also nicht unerheblich. Doch hatte das Trio neben dem Wagemut auch noch erhebliches Glück ! Bei Remagen haben die drei in einem Güterwagen die Kontrolle der Grenzer überlistet und so das kostbare Gut nach Schuld gebracht. Wie sollte es anders sein ? - Die Aufführung wurde ein Riesenerfolg und machte die Freilichtbühne in weitem Umkreis bekannt.

Mehr als 5 Jahrzehnte Freilichtbühne und Spielschar Schuld haben die Schulder in ihrem Engagement nicht ermüden lassen, denn die Begeisterung für die Sache und den »Spaß an der Freud'« wird von einer Generation an die andere weiter gegeben. Diese Liebe und Hingabe wirkt sich auch auf die Qualität der Aufführungen aus, die selbst über Landesgrenzen hinweg Beachtung findet.


Daher wundert es nicht, daß die Spielschar Schuld am 12. Mai 1986 anläßlich der 170-Jahrfeier des Kreises Ahrweiler die frisch gestiftete Ehrenplakette des Kreises »für ihre besonderen Verdienste auf kultureller Ebene im Kreis« im großen Kurhaus von Bad Neuenahr überreicht bekam.

Der Schwerpunkt der Aufführungen auf der Waldbühne liegt in den letzten Jahren mehr bei den Märchen.

Allerdings werden in unregelmäßigen Abständen in der St.- Gertrud-Kirche von Schuld sogar Passionsspiele aufgeführt, die für jeden Besucher ein Erlebnis waren.

Die Schulder Passion ist die von Pfarrer Gerold Rosenthal überarbeitete Passion des Evangelisten Markus. In dieser Darstellung werden die Jünger nicht geschont, sondern deren Mangel an Verständnis für die Lehre und die Person Christi unverblümt erzählt. Gerold Rosenthal selbst charakterisiert die Schulder Passion zudem wie folgt: »... weg vom spielerischen Detail, hin zum zentralen Heilsereignis. In straffer Form - ohne sich in Einzelheiten oder Nebensächlichkeiten zu verlieren - führt das Spiel von einem entscheidenden Ereignis zum anderen.«


Die Schulder Passionsspiele fanden weite Beachtung. Das »Letzeburger Sonndesblad« (Luxemburger Sonntagsblatt) widmete in dem Leitartikel »Die Tragödie des Judas Iskariot in Schuld« vom 30.03.1986 den Schulder Passionsspielen einen mehrseitigen Artikel. Auch die Bonner Rundschau sprach von einer »Eindrucksvollen Aufführung der Passion durch die Laienspielschar Schuld«.

Ein jeder, der diese Passionsspiele gesehen hat, ist zutiefst beeindruckt ob der Qualität des Dargebotenen. Die letzten Passionsspiele fanden 2000 statt, die nächsten werden voraussichtlich im Jahre 2004 sein. Unbedingt vormerken !



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